Ich wusste bereits mit sechs oder sieben Jahren, dass ich Schauspieler werden möchte.
© Gerry Jansen Theater

In aller Kürze

Geboren am 23.01.65 in Stuttgart-Degerloch, als Sohn mittelständischer Eltern. Nach einer Märchenbuchkindheit, in der sich der Wunsch des Schauspielers und die Visionen des Filmemachers immer mehr festigen, erste selbstgeschriebene Sketche, Auftritte und Regiearbeiten in der Theater AG des Max-Planck-Gymnasiums in Nürtingen. Von 1983-1986 Ausbildung zum Hotelfachmann. Schon in dieser Zeit etliche bezahlte Auftritte als Alleinunterhalter und Standup- Comedian. Von März 1987 – Sommer 1990  Ausbildung zum Schauspieler. Finanzieren musste ich mir diese Leidenschaft selbst. Und Schauspielunterricht ist teuer. Drei Jahre war ich Montags bis Freitags im Novotel Offenbach und Wochenends im Airhotel Zeppelinheim als Nachtportier tätig um meinen Traum realisieren zu können. Von 1989-1995 durchgehend Engagements an verschiedenen Bühnen und viele Auftritte vor der Kamera für TV-Serien, sowie rund 60 -70  Industrie- und Schulungsfilme. Außerdem erste freie, als auch Auftragsarbeiten als Drehbuchautor.

Seit September

1995:

Schauspieler, Autor, Regisseur, Putzfrau, Kassier, Garderobier, Hausmeister, Sekretär, Buchhalter, Kaffeeholer, Dekorateur, Homepagepfleger, Familienvater, Kartenabreisser, Fotograf, Platzanweiser, Grafiker, Bühnenbildner, Möbelpacker, Prügelknabe, Rasenmäher, Gassenfeger und Theaterdirektor der verrücktesten Profi-Bühne Deutschlands:

Kurz:  MÄDCHEN FÜR ALLES

Eines der ersten Fotos für die erste Setkarte, noch während meiner Schauspielausbildung. Heute witzig, damals unbrauchbar.
Das war schon besser! 
Stolzer Theatererbesitzer 1995

Chronik

 Geschichte und Anekdoten des Gerry Jansen Theaters

Im Herbst 1994 riefen mich meine Saulheimer Freunde Ludwig und Stefan an, Sie hätten ein Gastronomieobjekt in Alzey entdeckt, der ein alter Saal mit winziger Bühne angeschlossen war. Die Bühne könnte man vergrößern und daraus ein Theater machen. „Kauf’s“, war meine spontane Antwort. Und so mussten meine ersparten 75.000 DM nicht wie geplant für den Kauf einer Eigentumswohnung, sondern für die Ausstattung eines Theaters herhalten. Die Begeisterung meiner schwäbischen Eltern für mein Theaterprojekt, hielt sich sehr in Grenzen. Tatsächlich hielten sie es für eine Schnapsidee. Nichtsdestotrotz unterstützten sie mich nach Kräften. Meine Mutter bürstete, schrubbte und scheuerte die erstandene gebrauchte Kinobestuhlung, um auch die letzten Kaugummireste und hartnäckigen Flecken zu entfernen. Und mein Vater bezahlte meinen Theatervorhang, der auch gleich mit stolzen 5.000 DM zu Buche schlug. Der Saal, der einmal mein Theater werden sollte, war leider in einem argen Zustand. Seit Jahren hatte es an verschiedensten Stellen hereingeregnet und ich musste dreimal den Saal nass herauswischen, um überhaupt den Holzboden zu erkennen. Ich glaube es ist nicht übertrieben wenn ich sage, dass ich den Boden mindestens zehnmal gewischt habe, bis er sauber war. Aber auch sonst lag in dem Saal noch vieles im Argen und sein trostloser Anblick löste bei meinen Freunden Erschrecken aus, die nach meiner begeisterten Schilderung des anstehenden Theaterprojekts wohl schon ein fertiges Theater erwartet hatten. Ab Mai begann ich mit der Renovierung und verbrachte fast jeden Tag in der Hellgasse. Trotz meiner eher beschränkten handwerklichen Fähigkeiten, und nach vielen durchgearbeiteten Nächten und der tatkräftigen Unterstützung meiner Freunde konnte die Eröffnungs-Premiere am 29.09.1995 um 19.00 h stattfinden. Leider konnte ich ihr damals nicht persönlich beiwohnen, sondern nur die Eröffnungsrede halten, denn ich hatte ein festes Engagement in der Komödie TAP in Darmstadt, wo ich selbst an dem Abend auf der Bühne stehen musste. Das Bühnenbild hatte ich meinem ehemaligen Chef Kurt Weyrauch abgekauft, der 26 Jahre lang die Komödie Wiesbaden sein eigen nannte. Er musste auch Regie führen in meiner ersten selbstverfassten Komödie „ZUM VERRÜCKT WERDEN“, da ich es mir damals noch nicht zutraute. Von ihm stammt übrigens auch unser „berühmter“ Kassenschrank. Es folgten harte Zeiten. Da wir erst unsere Bekanntheit verdienen mussten, haben wir keine Vorstellung ausfallen lassen, zu der Leute gebucht hatten. So haben wir schon etliche Male auch gegen das Bühnengesetz verstoßen, das da lautet: „Eine Vorstellung findet nur dann statt, wenn mehr Leute im Publikum, als auf der Bühne sind.“ Aber unser fünfköpfiges Ensemble spielte auch vor drei oder vier Zuschauern. Es ist leicht nachzuvollziehen, dass auf diese Art das Geld schnell zur Neige ging. So musste ich mich bereits während der zweiten Produktion von Kurt Weyrauch trennen, da ich mir seine geschätzten Dienste nicht mehr leisten konnte. Von da an musste ich mich um die folgenden Produktionen und alles was damit einhergeht, wie Regie, Requisiten, Kulissen, Bühnenbild, Werbung, Kartenreservierung, etc. selbst kümmern. Die Leute fragen mich heute noch oft, warum ich sämtliche Stücke selbst schreibe. Nun, die Tantiemen für gekaufte Stücke konnte und kann ich nicht bezahlen. Also muss ich notgedrungen selbst zu Stift und Papier greifen (oder den Computer anwerfen). Ich erinnere mich noch gut an den 25.01.1996. Die Landfrauen von Alzey hatten sich angemeldet. Auch wenn die Gruppe nur 14 Frauen zählte, war mir das Stattfinden der Vorstellung unglaublich wichtig. Und obwohl ich mir zwei Tage zuvor, bei der Feier meines Geburtstags einen Topf kochendes Nudelwasser über den Fuß gegossen hatte, haben wir gespielt. Meine Frankfurter Ärztin hat mich selbst gefahren, um mir in der Pause den Verband zu wechseln, und eine weiter Dosis Morphium zu verabreichen. An Krücken und mit einem überdimensionierten Hausschuh bin ich über die Bühne gehumpelt – und die Landfrauen waren überzeugt, das gehörte zur Inszenierung und haben die Vorstellung am Ende mit vehementem Applaus belohnt. Noch heute freue ich mich immer noch ganz besonders, wenn ich auf den Reservierungslisten die Alzeyer Landfrauen entdecke. Im Herbst 1996 war unser Theater zum ersten Mal ausverkauft. Es war die Premiere von „WER HEIRATET SCHON FREIWILLIG“. Und auf der Bühne stand Peter Weber, bekannt als Friseur seines eigenen Salons. Was die wenigsten wussten, Peter Weber fühlte sich schon immer der Bühne hingezogen. So hatte er bereits Sprach- und Schauspielunterricht genommen und moderierte viele Jahre lang drei, vier Abende die Woche deutschlandweit für Wella die entsprechenden Friseur-Shows. Die Bühne war ihm also keineswegs fremd. Und seine Rolle als stotternder Klempner war so umwerfend, dass er noch heute darauf angesprochen wird. Nachdem das Stück mit Peter Weber abgelaufen war, wurde es wieder ruhiger im Theater. Und obwohl mit „AUSGERECHNET MALLORCA“ eines der vom Publikum meistgeliebten Stücke lief, konnten wir hinsichtlich der Besucherzahl nicht an den Erfolg der vorigen Produktion mit Peter Weber anknüpfen. Besonders im Bauch lagen mir damals noch die Sonntagsvorstellungen. Ich war nach wie vor von der Richtigkeit überzeugt, diese nachmittags um 15.30 h anzubieten. Diese Zeit hatte ich von der Komödie in Wiesbaden übernommen, wo die sonntäglichen Vorstellungen sehr stark frequentiert wurden. Meist von älteren Menschen, die gerne früh am Abend wieder Zuhause waren. Bei uns kamen aber keine Rentner und Senioren. Bei uns kam überhaupt niemand. Da versuchte ich etwas anderes. In der Medienlandschaft wurde gerade das „Kinderfeindliche Deutschland“ angeprangert. Da dachte ich, gut, dagegen unternehmen wir etwas. Und so schuf ich den Familientag, was heißt: Sonntag ist Familientag. Kinder und Jugendliche bis einschließlich 16 Jahre haben in Begleitung ihrer Eltern/Großeltern freien Eintritt. Und dieser Familientag funktionierte. Und wie. So gut, dass ich ihn bis heute beibehalte und auch in Zukunft nicht abschaffen werde. Denn er barg noch einen weiteren unschätzbaren Vorteil in sich, an den ich damals gar nicht dachte: Er führt nicht nur junge Menschen in unser Theater, nein, die jungen Menschen werden schließlich auch älter und gründen ihre eigenen Familien. Und so besuchen uns viele Gäste heute mit ihren eigenen Kindern, so wie sie damals mit ihren Eltern regelmäßig zu uns ins Theater gekommen sind. Im Sommer 1997 waren die Zuschauerzahlen wieder mal auf ein weiteres Tief gesunken. Ich hatte mich ja schon daran gewöhnt, dass ich mich jeden Sommer bei meinen Eltern oder bei Freunden durchfüttern ließ, da meine Frankfurter Ein-Zimmer-Wohnung ungemütlich wurde, weil regelmäßig Strom und Warmwasser abgestellt wurden. Ich steckte jeden Pfennig, den ich verdiente in den Erhalt des Theaters, an dessen Erfolg ich fest glaubte. Das versuchte ich auch meinen Bankberatern nahezubringen, die mich fast täglich zu sich auf die Bank baten. Doch im Mai 1997 sah die Theaterzukunft düster aus. Da gründete sich buchstäblich aus dem Nichts, wie Deus Ex Machina, der Förderverein. Die unterstützten mich nicht finanziell, sondern mit Werbung. Sie trugen unsere Plakate bis in die hintersten Winkel Rheinhessens und brachten eine Mundpropaganda für unser Theater ins Rollen, die bis heute unerreicht bleibt. Leider musste sich der Verein 2001 auflösen, da der Staat die Gemeinnützigkeit von Vereinen gesetzlich derart veränderte, dass sie nur noch Hilfsprojekte ohne wirtschaftliche Interessen unterstützen dürfen.        Somit waren wir wieder auf uns allein gestellt und mussten uns auch wieder um die Werbung kümmern. Es folgten über die Jahre die üblichen  Auf und Abs, die wohl alle kleinen Unternehmen und nicht nur die Theater kennen. Gott sei Dank konnten wir unser Schiff aber immer auf Kurs halten. Als 2007 auch der letzte Sitz meiner gebrauchten Bestuhlung durchgesessen war, musste eine neue her. Leider gab es keine gebrauchten Sitze mehr zu ergattern. Die konnte ich mir 2008 dann nur durch die vorzeitige Auszahlung meiner Lebensversicherung leisten. Damit ist zwar meine Altersvorsorge weg, aber dafür haben wir jetzt wunderschöne rote Sitze. Ausgerechnet unsere mit knapp 170 Vorstellungen erfolgreichste Komödie „BAUER SUCHT SAU“ wurde vom Tod meines Vaters überschattet. Es war besonders schlimm, dass ich an seinem Todestag auf der Bühne stehen und für Lacher sorgen musste. Andererseits weiß ich, dass er es genauso gewollt hätte, da er zeit seines Lebens ein äußerst humorvoller Mensch war. Durch den großartigen Erfolg dieser Komödie, konnte ich eine weitere heiß, oder besser kalt ersehnte Neuerung anschaffen: Eine Klimaanlage. Diese umsorgt nun auch an den heißesten und schwülsten Sommertagen unsere Zuschauer mit einem angenehm frischen Lüftchen. Mittlerweile haben auch die Stadtoberen unser Theater in ihr Herz geschlossen und unterstützen uns mit positivem Aufruf und Fingerzeig auf unser urgemütliches Lachjuwel. Und auch über die Landesgrenzen hinaus hat es sich herumgesprochen, dass der Komödienfan bei uns voll auf seine Kosten kommt. Ob  aus Mainz, Wiesbaden, Frankfurt, Worms, Mannheim, Ludwighafen, Kaiserslautern, ja sogar Fangruppen aus Stuttgart, Köln und München finden regelmäßig den Weg zu unseren Stücken. Und apropos Stücke. Meine Komödien werden im gesamten deutschsprachigen Raum aufgeführt und sorgen von Südtirol, über Österreich bis in die Schweiz für begeisterte Zuschauer.    Ich liebe das Lachen. Ich liebe es selbst zu lachen, genauso wie ich es liebe, wenn die Menschen um mich herum lachen. Es gibt uns die Kraft, die traurigen und tragischen Momente, mit denen uns das Schicksal leider auch nur allzu oft begegnet, leichter zu überwinden. Und deshalb bleiben wir auch in Zukunft unserem Credo treu:

Tragödien schreibt das Leben. – Komödien schreiben wir! 

Der Name

In unserer Branche ist der Name schlichtweg, das A und O. Bei den größeren Film- und Serienproduktionen verlor ich ständig die guten und großen Rollen an Kollegen, die nicht das Talent, aber den großen Namen des berühmten Vaters oder der Mutter geerbt hatten. Dabei waren die teilweise so talentfrei, dass sie von begabteren Kollegen komplett nachsynchronisiert werden mussten. Trotzdem, sie hatten den Namen und bekamen weiterhin die großen Rollen. Da wurde mir klar, ich muss mir einen Namen machen. Was lag also näher das Theater so zu benennen, wie Sie es kennen: Gerry Jansen Theater! 
privat unterwegs
Aus den Anfangsjahren in Alzey
Der Spaßpirat - Aus einem  Weihnachtsmärchen mit Schnabby und Zähnchen.
Luigi Cannibale - Der Nudel-Profi
Frauenschreck aus “Bauer sucht Sau”
Hahn im Korb bei Bauer sucht Sau
“Vampire küssen verboten!” 
“Wohnst Du noch oder heulst Du schon?”
Ich wusste bereits mit sechs oder sieben Jahren, dass ich Schauspieler werden möchte.
© Gerry Jansen Theater

In aller Kürze

Geboren am 23.01.65 in Stuttgart-Degerloch, als Sohn mittelständischer Eltern. Nach einer Märchenbuchkindheit, in der sich der Wunsch des Schauspielers und die Visionen des Filmemachers immer mehr festigen, erste selbstgeschriebene Sketche, Auftritte und Regiearbeiten in der Theater AG des Max- Planck-Gymnasiums in Nürtingen. Von 1983-1986 Ausbildung zum Hotelfachmann. Schon in dieser Zeit etliche bezahlte Auftritte als Alleinunterhalter und Standup-Comedian. Von März 1987 – Sommer 1990  Ausbildung zum Schauspieler. Finanzieren musste ich mir diese Leidenschaft selbst. Und Schauspielunterricht ist teuer. Drei Jahre war ich Montags bis Freitags im Novotel Offenbach und Wochenends im Airhotel Zeppelinheim als Nachtportier tätig um meinen Traum realisieren zu können. Von 1989-1995 durchgehend Engagements an verschiedenen Bühnen und viele Auftritte vor der Kamera für TV-Serien, sowie rund 60 -70  Industrie- und Schulungsfilme. Außerdem erste freie, als auch Auftragsarbeiten als Drehbuchautor.

Seit September 1995:

Schauspieler, Autor, Regisseur, Putzfrau, Kassier, Garderobier, Hausmeister, Sekretär, Buchhalter, Kaffeeholer, Dekorateur, Homepagepfleger, Familienvater, Kartenabreisser, Fotograf, Platzanweiser, Grafiker, Bühnenbildner, Möbelpacker, Prügelknabe, Rasenmäher, Gassenfeger und Theaterdirektor der verrücktesten Profi-Bühne Deutschlands:

Kurz:  MÄDCHEN FÜR ALLES

Frischgebackener Theaterbesitzer 1995

Der Name

In unserer Branche ist der Name schlichtweg, das A und O. Bei den größeren Film- und Serienproduktionen verlor ich ständig die guten und großen Rollen an Kollegen, die nicht das Talent, aber den großen Namen des berühmten Vaters oder der Mutter geerbt hatten. Dabei waren die teilweise so talentfrei, dass sie von begabteren Kollegen komplett nachsynchronisiert werden mussten. Trotzdem, sie hatten den Namen und bekamen weiterhin die großen Rollen. Da wurde mir klar, ich muss mir einen Namen machen. Was lag also näher das Theater so zu benennen, wie Sie es kennen: Gerry Jansen Theater! 
Unsere erfolgreichste Komödie bislang: “Bauer sucht Sau”

Chronik

 Geschichte und Anekdoten des Gerry

Jansen Theaters

Im Herbst 1994 riefen mich meine Saulheimer Freunde Ludwig und Stefan an, Sie hätten ein Gastronomieobjekt in Alzey entdeckt, der ein alter Saal mit winziger Bühne angeschlossen war. Die Bühne könnte man vergrößern und daraus ein Theater machen. „Kauf’s“, war meine spontane Antwort. Und so mussten meine ersparten 75.000 DM nicht wie geplant für den Kauf einer Eigentumswohnung, sondern für die Ausstattung eines Theaters herhalten. Die Begeisterung meiner schwäbischen Eltern für mein Theaterprojekt, hielt sich sehr in Grenzen. Tatsächlich hielten sie es für eine Schnapsidee. Nichtsdestotrotz unterstützten sie mich nach Kräften. Meine Mutter bürstete, schrubbte und scheuerte die erstandene gebrauchte Kinobestuhlung, um auch die letzten Kaugummireste und hartnäckigen Flecken zu entfernen. Und mein Vater bezahlte meinen Theatervorhang, der auch gleich mit stolzen 5.000 DM zu Buche schlug. Der Saal, der einmal mein Theater werden sollte, war leider in einem argen Zustand. Seit Jahren hatte es an verschiedensten Stellen hereingeregnet und ich musste dreimal den Saal nass herauswischen, um überhaupt den Holzboden zu erkennen. Ich glaube es ist nicht übertrieben wenn ich sage, dass ich den Boden mindestens zehnmal gewischt habe, bis er sauber war. Aber auch sonst lag in dem Saal noch vieles im Argen und sein trostloser Anblick löste bei meinen Freunden Erschrecken aus, die nach meiner begeisterten Schilderung des anstehenden Theaterprojekts wohl schon ein fertiges Theater erwartet hatten. Ab Mai begann ich mit der Renovierung und verbrachte fast jeden Tag in der Hellgasse. Trotz meiner eher beschränkten handwerklichen Fähigkeiten, und nach vielen durchgearbeiteten Nächten und der tatkräftigen Unterstützung meiner Freunde konnte die Eröffnungs- Premiere am 29.09.1995 um 19.00 h stattfinden. Leider konnte ich ihr damals nicht persönlich beiwohnen, sondern nur die Eröffnungsrede halten, denn ich hatte ein festes Engagement in der Komödie TAP in Darmstadt, wo ich selbst an dem Abend auf der Bühne stehen musste. Das Bühnenbild hatte ich meinem ehemaligen Chef Kurt Weyrauch abgekauft, der 26 Jahre lang die Komödie Wiesbaden sein eigen nannte. Er musste auch Regie führen in meiner ersten selbstverfassten Komödie „ZUM VERRÜCKT WERDEN“, da ich es mir damals noch nicht zutraute. Von ihm stammt übrigens auch unser „berühmter“ Kassenschrank. Es folgten harte Zeiten. Da wir erst unsere Bekanntheit verdienen mussten, haben wir keine Vorstellung ausfallen lassen, zu der Leute gebucht hatten. So haben wir schon etliche Male auch gegen das Bühnengesetz verstoßen, das da lautet: „Eine Vorstellung findet nur dann statt, wenn mehr Leute im Publikum, als auf der Bühne sind.“ Aber unser fünfköpfiges Ensemble spielte auch vor drei oder vier Zuschauern. Es ist leicht nachzuvollziehen, dass auf diese Art das Geld schnell zur Neige ging. So musste ich mich bereits während der zweiten Produktion von Kurt Weyrauch trennen, da ich mir seine geschätzten Dienste nicht mehr leisten konnte. Von da an musste ich mich um die folgenden Produktionen und alles was damit einhergeht, wie Regie, Requisiten, Kulissen, Bühnenbild, Werbung, Kartenreservierung, etc. selbst kümmern. Die Leute fragen mich heute noch oft, warum ich sämtliche Stücke selbst schreibe. Nun, die Tantiemen für gekaufte Stücke konnte und kann ich nicht bezahlen. Also muss ich notgedrungen selbst zu Stift und Papier greifen (oder den Computer anwerfen). Ich erinnere mich noch gut an den 25.01.1996. Die Landfrauen von Alzey hatten sich angemeldet. Auch wenn die Gruppe nur 14 Frauen zählte, war mir das Stattfinden der Vorstellung unglaublich wichtig. Und obwohl ich mir zwei Tage zuvor, bei der Feier meines Geburtstags einen Topf kochendes Nudelwasser über den Fuß gegossen hatte, haben wir gespielt. Meine Frankfurter Ärztin hat mich selbst gefahren, um mir in der Pause den Verband zu wechseln, und eine weiter Dosis Morphium zu verabreichen. An Krücken und mit einem überdimensionierten Hausschuh bin ich über die Bühne gehumpelt – und die Landfrauen waren überzeugt, das gehörte zur Inszenierung und haben die Vorstellung am Ende mit vehementem Applaus belohnt. Noch heute freue ich mich immer noch ganz besonders, wenn ich auf den Reservierungslisten die Alzeyer Landfrauen entdecke. Im Herbst 1996 war unser Theater zum ersten Mal ausverkauft. Es war die Premiere von „WER HEIRATET SCHON FREIWILLIG“. Und auf der Bühne stand Peter Weber, bekannt als Friseur seines eigenen Salons. Was die wenigsten wussten, Peter Weber fühlte sich schon immer der Bühne hingezogen. So hatte er bereits Sprach- und Schauspielunterricht genommen und moderierte viele Jahre lang drei, vier Abende die Woche deutschlandweit für Wella die entsprechenden Friseur-Shows. Die Bühne war ihm also keineswegs fremd. Und seine Rolle als stotternder Klempner war so umwerfend, dass er noch heute darauf angesprochen wird. Nachdem das Stück mit Peter Weber abgelaufen war, wurde es wieder ruhiger im Theater. Und obwohl mit „AUSGERECHNET MALLORCA“ eines der vom Publikum meistgeliebten Stücke lief, konnten wir hinsichtlich der Besucherzahl nicht an den Erfolg der vorigen Produktion mit Peter Weber anknüpfen. Besonders im Bauch lagen mir damals noch die Sonntagsvorstellungen. Ich war nach wie vor von der Richtigkeit überzeugt, diese nachmittags um 15.30 h anzubieten. Diese Zeit hatte ich von der Komödie in Wiesbaden übernommen, wo die sonntäglichen Vorstellungen sehr stark frequentiert wurden. Meist von älteren Menschen, die gerne früh am Abend wieder Zuhause waren. Bei uns kamen aber keine Rentner und Senioren. Bei uns kam überhaupt niemand. Da versuchte ich etwas anderes. In der Medienlandschaft wurde gerade das „Kinderfeindliche Deutschland“ angeprangert. Da dachte ich, gut, dagegen unternehmen wir etwas. Und so schuf ich den Familientag, was heißt: Sonntag ist Familientag. Kinder und Jugendliche bis einschließlich 16 Jahre haben in Begleitung ihrer Eltern/Großeltern freien Eintritt. Und dieser Familientag funktionierte. Und wie. So gut, dass ich ihn bis heute beibehalte und auch in Zukunft nicht abschaffen werde. Denn er barg noch einen weiteren unschätzbaren Vorteil in sich, an den ich damals gar nicht dachte: Er führt nicht nur junge Menschen in unser Theater, nein, die jungen Menschen werden schließlich auch älter und gründen ihre eigenen Familien. Und so besuchen uns viele Gäste heute mit ihren eigenen Kindern, so wie sie damals mit ihren Eltern regelmäßig zu uns ins Theater gekommen sind. Im Sommer 1997 waren die Zuschauerzahlen wieder mal auf ein weiteres Tief gesunken. Ich hatte mich ja schon daran gewöhnt, dass ich mich jeden Sommer bei meinen Eltern oder bei Freunden durchfüttern ließ, da meine Frankfurter Ein-Zimmer-Wohnung ungemütlich wurde, weil regelmäßig Strom und Warmwasser abgestellt wurden. Ich steckte jeden Pfennig, den ich verdiente in den Erhalt des Theaters, an dessen Erfolg ich fest glaubte. Das versuchte ich auch meinen Bankberatern nahezubringen, die mich fast täglich zu sich auf die Bank baten. Doch im Mai 1997 sah die Theaterzukunft düster aus. Da gründete sich buchstäblich aus dem Nichts, wie Deus Ex Machina, der Förderverein. Die unterstützten mich nicht finanziell, sondern mit Werbung. Sie trugen unsere Plakate bis in die hintersten Winkel Rheinhessens und brachten eine Mundpropaganda für unser Theater ins Rollen, die bis heute unerreicht bleibt. Leider musste sich der Verein 2001 auflösen, da der Staat die Gemeinnützigkeit von Vereinen gesetzlich derart veränderte, dass sie nur noch Hilfsprojekte ohne wirtschaftliche Interessen unterstützen dürfen.        Somit waren wir wieder auf uns allein gestellt und mussten uns auch wieder um die Werbung kümmern. Es folgten über die Jahre viele Auf und Abs. Auch gibt es in Alzey ein besonderes Theaterphänomen: Im Gegensatz zu sämtlichen anderen Theatern, erregt hier eine neue Komödie keine Neugier. Es ist grenzt schon fast an ein Wunder, wenn die Premiere ausverkauft ist. Und die folgenden vier bis sechs Wochen sind auch kaum Buchungen vorhanden. Dabei wäre es gerade am Anfang wichtig, dass sich möglichst viele Menschen über unsere neueste Produktion amüsieren. Denn da wir noch heute überwiegend von der Mundpropaganda leben, kann es schon mal zu der Situation kommen, dass kein Mensch mitkriegt, dass wir eine neue Komödie am Start haben. Dieses Phänomen begleitet uns seit nunmehr 20 Jahren. Als 2007 auch der letzte Sitz meiner gebrauchten Bestuhlung durchgesessen war, musste eine neue her. Leider gab es keine gebrauchten Sitze mehr zu ergattern. Die konnte ich mir 2008 dann nur durch die vorzeitige Auszahlung meiner Lebensversicherung leisten. Damit ist zwar meine Altersvorsorge weg, aber dafür haben wir jetzt wunderschöne rote Sitze. Ausgerechnet unsere mit knapp 170 Vorstellungen erfolgreichste Komödie „BAUER SUCHT SAU“ wurde vom Tod meines Vaters überschattet. Es war besonders schlimm, dass ich an seinem Todestag auf der Bühne stehen und für Lacher sorgen musste. Andererseits weiß ich, dass er es genauso gewollt hätte, da er zeit seines Lebens ein äußerst humorvoller Mensch war. Durch den großartigen Erfolg dieser Komödie, konnte ich eine weitere heiß, oder besser kalt ersehnte Neuerung anschaffen: Eine Klimaanlage. Diese umsorgt nun auch an den heißesten und schwülsten Sommertagen unsere Zuschauer mit einem angenehm frischen Lüftchen. Doch trotz Klimaanlage und gleich welcher Komödie, von Ostern bis Oktober haben wir immer mit stetig sinkenden Zuschauerzahlen zu kämpfen. Wie so ein verdurstender Büffel in der Serengeti auf den Regen nach der Dürre wartet, so warten wir auf das Ende unserer Theaterdürre. Und genauso wie der Büffel kämpfen auch wir jeden Sommer um unsere Existenz.  Ein alljährlich widerkehrender Zustand, der Kraft und Nerven kostet und die einst so starken Mauern meiner einst so stolz gepriesenen „Burg Idealismus“ stetig abschleift. Leider erfahren wir von der Stadt Alzey keinerlei Hilfe oder Unterstützung. So darf ich beispielsweise nicht einmal Hinweisschilder zu unserem Theater anbringen, selbst wenn ich die Kosten dafür selbst übernehmen würde. Wir sind für die Stadt so etwas wie das kulturelle Stiefkind, das ungeliebte Geschwisterchen von dem leuchtenden Sommerspektakel „Da Capo“. Man geht nicht hin und spricht auch nicht darüber. Trotzdem werde ich mich auch in Zukunft vor keinen politischen Karren spannen lassen.  Warum ich trotzdem immer weiter mache, immer wieder den Kopf hochhalte, auch wenn ich „… same procedure as every year“, regelmäßig  zu den Banken zitiert werde, weil wieder einmal alles hoffnungslos aussieht? Weil ich nach wie vor fest an unser Theater glaube. Und daran, dass es einmal eine Zeit geben wird, in der es immer ausgebucht ist. Sonst hätte ich nicht schon wieder fünfeinhalbtausend Euro in einen neuen Vorhang investiert, um den alten, mittlerweile durchsichtigen und porösen zu ersetzen. Ich liebe das Lachen. Ich liebe es selbst zu lachen, genauso wie ich es liebe, wenn die Menschen um mich herum lachen. Es gibt uns die Kraft, die traurigen und tragischen Momente, mit denen uns das Schicksal leider auch nur allzu oft begegnet, leichter zu überwinden. Und deshalb bleiben wir auch in Zukunft unserem Credo treu:

Tragödien schreibt das Leben. 

Komödien schreiben wir!